Einstein – Schiller – Stifter - Andersen
100 Jahre nach Einsteins Relativitätstheorie und fünfzig Jahre nach seinem Tod ist das Jahr 2005 von den Vereinten Nationen als das Weltjahr der Physik ausgerufen worden, eine internationale Initiative, die mehr Aufmerksamkeit auf die Naturwissenschaft lenken will. Weltweit finden Symposien und Kongresse statt, allein in Deutschland sind zahlreiche Veranstaltungen programmiert, über die man sich am besten auf der Homepage einen Überblick verschafft Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat eine eigene Seite http://www.einsteinjahr.de eingerichtet. Sie lädt ein, das eigene Wissen über Einsteins Leben und Werk zu aktualisieren, den Physiker und Wissenschaftler kennen zu lernen, und auch anhand eines Glossars schnell die wichtigsten Begriffe und Theorien ins Gedächtnis zu rufen. Diese Seite listet zahlreiche Veranstaltungen auf, das Repertoire reicht von der Ausstellung „Einsteins Erben – Nobelpreisträger im Portrait“ im Berliner Café Einstein - Unter den Linden bis zur Präsentation des ultimativen Einstein-Krimis „Trugschluss“ in Ulm. Dort wurde Einstein 1879 geboren, die Stadt Ulm steht dieses Jahr auch ganz im Zeichen ihres berühmten Sohnes mit Ausstellungen, einer Oper und wissenschaftlichen Events. Virtuell kann man hier auf den Spuren Einsteins wandeln. Erwähnenswert neben wissenschaftlichen und literarischen Highlights ist die Eröffnung des legendären und neu renovierten Sommerhauses Einsteins in Caputh am 22. Mai, eine Veranstaltung des Berliner Einstein Forum.
Das wissenschaftliche Programm dominiert. Eröffnet wurde das Einstein-Jahr im Januar mit der internationalen Tagung „Einstein for the 21st Century“ des Einstein Forums in Zusammenarbeit mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie . Im März hält die Deutsche Physikalische Gesellschaft ihre Jahrestagung unter dem Titel „Physik seit Einstein“ an der Berliner Humboldt Universität ab. Ein im Zeichen Einsteins stehender Wissenschaftssommer in Berlin und Potsdam wird angekündigt, und zahlreiche Ausstellungen über den berühmtesten Physiker aller Zeiten stehen auf dem Plan. So feiert etwa das Deutsche Museum in München Einstein mit einer Halbjahres-Ausstellung und zahlreichen Events. Und im Berliner Kronprinzenpalais eröffnet im Mai eine große Schau über den Wissenschaftler.
In der Schweiz, wo Albert Einstein von 1902 bis 1909 in Bern lebte, sind ebenfalls zahlreiche Events programmiert. Das Berner Einsteinjahr stellt ein umfangreiches Programm mit Vorträgen, Festlichkeiten und internationalen Konferenzen vor, sowie die Eröffnung des Einsteinpfads im April 2005:„In rund neunzig Stationen kann der interessierte Besucher, unterstützt durch einen bebilderten Führer und eine Wanderkarte mit Erläuterungen, Quellenangaben und Fotos, wichtige Stationen des Lebens und Wirkens von Albert Einstein während seiner Berner Zeit wandernd oder auch nur lesend Revue passieren lassen“, heißt es. Ebenfalls in Bern hält die Europäische Physikalische Gesellschaft ihren 13. Kongress ab und diskutiert aktuelle Probleme und Aufgaben der Physik unter dem Titel “Beyond Einstein – Physics for the 21st Century”.
Und wer dann noch in die aktuellsten Physik-Debatten der heutigen Zeit eintauchen möchte, kann Ende des Jahres eine Reise nach Durban, Südafrika, antreten, wo vom 31. Oktober bis zum 2. November die World Conference on Physics and Sustainable Development.
Ein großes Jubiläum feiern auch die Literaturwissenschaftler und Freunde der Aufklärung dieses Jahr. Am 9. Mai 1805 starb in Weimar der Dichter und Aufklärer Friedrich Schiller. Die Deutsche Schillergesellschaft e.V. hat eine Homepage eingerichtet und lädt uns ein, unser Bild von Schiller zu überprüfen und den Dichter auf den zahlreichen Veranstaltungen dieses Jahres „neu“ kennen zu lernen. Hinweise auf Kongresse und Tagungen im Ausland wurden ebenfalls aufgenommen. Unter der Rubrik Materialien können verschiedene Interviews mit den Biographen Sigrid Damm und Rüdiger Safranski und der Theaterregisseurin Andrea Breth sowie Texte unter anderem von Robert Gernhardt eingesehen werden. Interessant ist vor allem der Schillerblog, der eine Presseschau enthält und Wissenswertes über Schiller aufführt.
Auch die Printmedien haben dieses Jahr ihre Feuilletons mit Schiller-Schwerpunkten begonnen und stellen Auszüge und Materialien ins Netz. Die Zeit hat einen Überblick eingerichtet, ebenso Die Westfälische Rundschau einen Service zu Schiller mit Veranstaltungshinweisen und Biographie.
Der Deutsche Bildungsserver stellte interessante Unterrichtsmaterialien ins Netz. Der SWR bietet einen Überblick zu Wissenswertem und Skurrilem aus dem Leben und Werk Schillers. Und wer bei so viel Schiller auch zum Original greifen will, der kann sich auf den verschiedenen Buchseiten im Internet, etwa bei Bookzilla bedienen, verwiesen sei auch auf das informative Projekt Gutenberg-DE bei spiegel-online.
Zahlreiche Bühnen und Theater bringen in diesem Jahr Stücke von Schiller, aber auch die Tourismusbranche hat den Dichter als Zugpferd entdeckt. „Schiller lockt“ nach Thüringen und Baden Württemberg. Stuttgart hat zahlreiche Veranstaltungen in diesem Jahr auf einer eigenen Seite gelistet, und die klassischen Schiller-Städte Weimar und Marbach haben sich zusammen getan und präsentieren ihre Initiativen im Netz. Wie man diese Orte erreichen kann, das zeigen die Schiller-Offerte der Bahn.
Weniger bekannt als Schiller ist sein Dichterkollege Adalbert Stifter, doch hat man diesen Jubilar in diesem Jahr ebenfalls mit einer eigenen Website gewürdigt. Stifter wurde 1805, in dem Jahr als Schiller starb, im südböhmischen Horní Planá/Oberplan geboren, das Land Oberösterreich feiert seinen bekanntesten Dichter, Aufklärer und Pädagogen mit zahlreichen Events, u. a. im Linzer Stifterhaus. Ausstellungen, Lesungen und Wanderungen auf den Spuren Stifters, aber auch viel Kulinarisches kann man auf der interessanten Stifter-Seite erkunden. Einen guten Einstieg, um Stifter kennen zu lernen, bietet wieder das Gutenberg Projekt.
Man hat den Eindruck, dass Stifter sich nicht für allzu laute Feiern eignet, hingegen haben die Dänen ihren Nationaldichter Hans Christian Andersen, der ebenfalls 1805 zur Welt kam, ganz anders inszeniert und vermarktet. Auf einer internationalen Website können die Märchen- und Poesieliebhaber die diesjährigen Andersen-Schwerpunkte von Japan bis Dänemark verfolgen. Überall haben sich berühmte Persönlichkeiten, als Andersen-Botschafter, bereit erklärt, den Dichter zu vermarkten. Einen Höhepunkt steuert das Jubiläumsjahr am ersten April-Wochenende mit einem Märchenwochenende in Andersens Geburtsort Odense an. Kritik an dieser Vermarktung und Hintergründe zum Andersen-Jubiläum bietet die Zeitschrift Literaturen. Möchte man Andersen auch mal „anders“ kennen lernen, könnte die Seite von Wikipedia konsultieren.
(Elke Mühlleitner, Februar 2005)